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Der Kunstgriff des Architekten

Walter Stelzhammer realisierte Wohnen unter dem Dach auf drei Ebenen


Gert Walden

Dachböden zählen ja zur städtischen Wunschwohnform, weil häufig eine gute Aussicht geboten wird und der Lärm vom Nachbarn darüber fehlt. Meist muss dafür das Gefühl in Kauf genommen werden, immer mit leicht eingezogenem Kopf in den schrägen vier Wänden leben zu müssen.

Architekt Walter Stelzhammer hatte bei seinem Dachbodenausbau nicht nur mit dem Problem des aufrechten Ganges zu kämpfen, er musste noch dazu die strengen Denkmalschutzbestimmungen einhalten, die bei diesem Biedermeierhaus zu beachten waren. Die nötige Raumhöhe wurde durch die aufwendige, Teilabsenkung des Fußbodens erzielt, so dass eine Split-Level-Wohnung unter dem Dach entstehen konnte: aber nicht nur auf zwei Niveaus, sondern auf insgesamt drei Ebenen.

Der Kunstgriff des Architekten, um dieses niveauvolle Wohnen zu erreichen, ist ebenso einfach wie überzeugend. Ein "Raummöbel" wurde auf dem niedrigeren Boden installiert. Allerdings nicht gemauert oder betoniert, sondern aus vorgefertigten Lärchenholzplatten, die dreischichtig zusammengesetzt sind.

Raummöbel

Mehr als gewöhnungsbedürftig ist zwar die unbehandelte Maserung des Lärchenholzes - erinnert irgendwie an die Bücherregale der Studentenzeit - dafür wurde aber ein Mehrwert an Raumkonfigurationen realisiert, der unterschiedlichen Stimmungen gerecht wird. Wenn ein Bewohner etwa, die Geborgenheit des "Höhligen" sucht, kann er sich in den Bereich unter dem "Raummöbel" zurückziehen. Wer den Hang zum Äolisch-Theatralischen hat, kann von der obersten Ebene, nicht nur auf die gesamte Wohnung schauen, auch der Blick in die Ferne wird geboten. Und wenn einfach nur Wohnen angesagt ist, dann lässt sich das im Stelzhammerschen Dachboden auch sehr gut einrichten. Unter dem Raummöbel können dann etwa der Medienaltar und die Bibliothek eingepasst werden und der Gemeinschaftsraum wird zum Zentrum der Wohnung mit Blick auf die obere und untere Etage der hölzernen Konstruktion und natürlich nach außen hin - ungehindert mit einem breiten Fensterband, das bündig an der Dachfläche sitzt.

Das LeistungsSpectrum dieses Dachbodenausbaues ist also mehr als nur beachtlich. Es inkludiert den souveränen Umgang mit einer schwierigen Bauaufgabe, so dass nicht ein Flickwerk aus Zimmern und Zimmerchen herauskommt, sondern ein neuer, vielschichtiger Raum, der aus den schwierigen Voraussetzungen heraus optimiert wurde. Sieht man einmal von der Holzmaserung ab, dann ist der gesamte Eingriff ohne besondere Aufgeregtheiten konzipiert, dafür aber umso präziser in der detaillierten Ausführung.
Architekt Walter Stelzhammer, Wien 7., Neustiftgasse 68, Tel. 523 94 22


DER STANDARD, 29. März 2000
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