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Friedhofsanlage Urnenhain Linz

Kenndaten
 
Planungszeit:  1999     1. Stufe: Ex-Equo Siegerprojekt (Überarbeitung: 2. Preis)
Auslober: SBL-Stadtbetriebe Linz GmbH
Adresse: 4010 Linz, Urfahr
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Leitidee Gebäude - Grundsatz

Der Bau versucht in seiner Grundhaltung durch eine übergeordnete neutrale Großform der Verschiedenartigkeit seines Anspruches zwischen sakralem Ritus und profaner Verrichtung gerecht zu werden.
Ein bergender Baldachin - Platte und Stützen in ihrer elementarsten Ausformung - beschirmt dieses unterschiedliche, in jedem Fall existentielle Handlungsgeschehen.
Während die umlaufende Stützenreihe die einheitliche Großform unterstützt, differenziert im Innenbereich der Wechsel von Stützengeviert und Schotenreihe die repräsentative Verabschiedungshalle vom kleinmaßstäblicheren Aufbahrungsbereich. Ein Wechselspiel der Höhenzonierung wirkt gleichgerichtet: Vorhalle, Verabschiedungssaal und Aufbahrungsräume zwischen Schoten nützen die volle Raumhöhe, während die auskragenden Rahmen der Aufbahrungsvorbereiche die Höhe brechen und mit horizontalen wie vertikalen Raumteilern unterschiedlichem Raumbedarf nachkommen.
Der Kremationsbereich einschließlich Verwaltungs- und Nebenraumtrakt ist hier der dienenden Funktion gemäß containerartig eingeschoben.
Öffnung nach außen, Durchlässigkeit, Leichte, Leere setzen nicht nur atmosphärische Attribute gegen existenzielle Bedrückung, sondern verschmelzen einen besetzten Ort mit dem Außenraum.


 

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Funktion Gebäude

Das Gebäude ist von der Zugangsseite beginnend mit Verabschiedungshalle, Aufbahrungsbereich und Kremationsbereich funktionell eindeutig zoniert.
Ein innerer, uneinsehbarer Sarggang verbindet als inneres Rückgrat bei größter Wegökonomie diese einzelnen, nach außen orientierten Bereiche.
Die Verabschiedungshalle ist als quadratischer Glas-Kubus unter dem Baldachin der Ort der letzten Gemeinschaft mit den Verstorbenen.
Die Raumprägung erfolgt durch ein inneres Geviert von 12 Stützen. Ein umlaufendes Paneelelement hochwertigster Oberfläche faßt den Raum im unteren Höhendrittel. Die T-förmige Ausformung zoniert damit den Eingangsbereich zu einem höhengestaffelten Schwellenbereich, der auch bei Großverabschiedungen die geöffneten Wendeflügel räumlich faßt und bindet. An der Stirnseite ragt mittig der Balkenriegel des Sargganges in den Raum. Er umschirmt den Bereich der Sargaufstellung. Im Moment der Trennung grenzen 3 sich herabsenkende Vertikalschiebeelemente den Sarg schreinartig aus, belassen ihn aber bis zum Verabschiedungsende im Raum.
Der Aufbahrungsbereich ist dem Verabschiedungsbereich als die intimere Raumzone nachgereiht. Die zweihüftige Anbindung an den innenliegenden Sarggang bietet kleinräumlichere Raumverhältnisse und ermöglicht eine optimierte, seitengetrennt ungestörte Abfolge von Zeremonien.
Vertikale Schiebeelemente öffnen die Aufbahrungsräume zur Vorhalle, während durch quergestellte Schiebepaneele die Vorhalle an unterschiedlichen Raumbedarf angepasst werden kann.
Den Kern des Kremationsbereiches mit Kühlraum und Verbrennungsraum umhüllen u-förmig der Verwaltungs-und der Nebenraumtrakt.
Diese Bauteile sind gegenüber den Stützenreihen des Baldachins eingezogen, trennen aber in der Umgangzone den öffentlichen Bereich vom inneren Betriebsbereich.
Verkehrszonen sind hier einheitlich mit durchlaufenden Oberlichten belichtet.
Rücksprachen mit dem Ofenhersteller haben angeregt, Kühlzellen einem Kühlraum vorzuziehen, sowie die Ausformung des Ofenraumes neueren Standards zu unterziehen. Dabei entspricht eine achsiale Aufstellung des Kamins auch der linear gereihten Erweiterung mit einem zweiten Ofen. Die Erweiterung selbst ist als Einbau innerhalb der Platte vorgesehen.

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Leitidee Grünraum - Grundsatz

Die Leitidee der Grünraumgestaltung folgt dem sich bedingend ergänzenden Gegensatzpaar von Dichte und Leere.
Dabei soll die Friedhofserweiterungsfläche in Fortführung des Bestandes insgesamt zu einem einheitlichen Hain aufgeforstet und verdichtet werden.
(Die Problematik der bestehenden Grabgestaltung mit seinen verkleinerten Erdbestattungsgräbern und der der Urne wenig entsprechenden Bestattungsform sei hier ausgeklammert.)
Die so besetzte Fläche ist durch die Fortführung des Wegbestandes gegliedert.
In diese Fläche mit seiner übergeordneten Wegestruktur ist im Sinne einer Vegetationsschneise die Gebäude - Lichtung mit Vorplatz, Objekt und Wirtschaftshof eingeschnitten, die flächenzentrierend plaziert und auf den Hauptzugang ausgerichtet ist. Das Objekt kommt damit annähernd in eine Parallellage zum gegenwärtigen Krematorium mit seinem Ehrengräberfeld.
Die Lichtung ist aufgeweitet durch seitliche Streifen von Gedenkstätten- und Ehrengräberfeldern, die die Längsseiten des Gebäudes mit seinem Vorplatz und dem Wasserbecken begleiten.
Der Vorplatz ist durch ein Seerosenbecken in Projektion des Verabschiedungssaales als Element der Vergänglichkeit und der Versöhnung charakterisiert.
Das Wasserbecken übernimmt aber auch eine Weggliederung: für die Kommenden wird die Zweihüftigkeit des Gebäudes auffächernd vorweggenommen, während die Weggehenden nach der Verabschiedung einen unbeeinträchtigten gedeckten wie offenen Verweilplatz vorfinden.

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Die Bearbeitung des Wettbewerbs

berücksichtigt vorwiegend die funktionellen Anregungen des Betreibers.
Dabei wird die Nebenraumzone zwischen Verabschiedungshalle und Aufbahrungsbereich aufgewertet.
Das Priesterzimmer mit Besprechungsmöglichkeit und der Bestatterraum mit Regieplatz sind der Verabschiedungshalle direkt zugeordnet.
Der Urnenraum mit Nebenraum und Sanitäreinheit bilden über einen Querungsgang ein Gelenk zum Aufbahrungsbereich.
Der publikumsbezogene Querungsgang verbindet hier die beiden Aufbahrungsseiten, wobei der Sarggang an dieser Stelle mittels Doppeldrehtüren so geschlossen ist, dass im Fall des Öffnens bei Sargtransport sich der öffentliche Durchgang temporär schließt.
Dieser Vorgang wird jedoch höchstens 5-10-mal je Verabschiedungsvormittag erforderlich.
Der Verwaltungstrakt ist nunmehr eingeschossig u-förmig um den Kern des Krematoriums mit Kühlraum und Verbrennungsraum angelegt.
Je eine Seite bündelt Personalbereich bzw. Nebenräume und Anlieferung, während die Mittelspange bereichszugehörig den Verwalter mit einem Besprechungszimmer für Hinterbliebene und das Wächterzimmer mit dem Requisitenraum aufnimmt. Der einseitigen Platzierung des Wächterzimmers kann durch eine Installation einer Videobeobachtungsanlage abgeholfen werden.
Eine Konsultation mit dem Ofenhersteller hat die nunmehr dargestellte Tieflage des Verbrennungsraumes einschließlich der direkt zugeordneten Technikräume angeregt.
 
Das Objekt ist gegenüber dem Wettbewerb in seiner Lage der Gebäudeausprägung entsprechend in der Friedhofserweiterungsfläche etwas nach Norden verschoben und auf den Haupteingang friedhofszentrierend ausgerichtet. Damit ergeben sich für den längsseits beiderseits verbleibenden Außenraum annähernd gleiche Verhältnisse von Wegen und Flächen.

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Publikationen:
Architektenwettbewerb Friedhofsanlage Urnenhain entschieden Peter Prass, linz.at 25.6.1999

 

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